Donnerstag, Februar 07, 2008

Spieltipp III

Vermeide Spielbeiträge, die Erklärungen oder Rechtfertigungen benötigen.

Eine flüssige Spielrunde zeichnet sich durch eine rege Spielerinteraktion aus. Das heißt, dass die Spieler unentwegt spielrelevante Informationen austauschen bzw. zum Spiel beitragen. Im herkömmlichen Rollenspiel fallen darunter sowohl Handlungsansagen ('Mein Charakter will die Tür aufstemmen.' oder 'Ich ziehe mein Schwert.') als auch Beschreibendes ('Das Gemälde ist sehr lebensnah und beeindruckend.' oder jede Form von Schauspiel am Spieltisch). Alles was das Spiel vorantreibt gilt als spielrelevant. Erklärungen und Rechtfertigungen für etwas das passiert oder gesagt wurde ('Drurog kauft sich kein Brot, weil...' oder 'Die Wache wird nicht kommen, weil...'), hemmen hingegen den Spielfluß. Anstatt das Spiel voranzutreiben, muss man dafür sorgen, dass die Spielhandlung in das laufende Spiel passt. Es müssen erst Widersprueche aufgelöst und Zusammenhänge etabliert werden, bevor es weitergehen kann.

Wenn man die Spielhandlung erst noch erklären oder rechtfertigen muss, sollte man sofort aufhorchen. Irgendetwas läuft nicht so wie es sollte. Es gilt also zu versuchen Charaktere Dinge tun zu lassen bzw. Beschreibungen zu liefern, die für die anderen Spieler ohne Nachdenken nachvollziehbar sind. Diese Zielsetzung wird umso einfacher, je mehr man auf das zugreift was bereits etabliert wurde. Je stärker man ein Auge auf die bestehende Fiktion hält, umso einfacher ist es diese flüssig fortzuführen. Eigentlich ganz selbstverständlich, aber ich treffe immer wieder auf Leute, die gerade hier ins Stolpern kommen. Leute, die erst noch ausholen müssen bevor sie geradeheraus sagen, was sie tun. Oder bei denen jede Spielhandlung, noch einen Kurzmonolog nach sich zieht.

1 Kommentar:

DealgAthair hat gesagt…

Erstens: Schön, dass es Des Spielers Chronik noch gibt.

Zweitens: Eine schöne Ausführung. Wie sooft tue ich mich schwer in deinen Überlegungen meine Position zu bestimmen. Hier also ein Versuch dessen:
Wahrscheinlich läuft WFRS bei uns so: Grundsätzlich Basisdemokratie. Da die Spieler aber sich nicht in dem Maß einbringen, wie es diese Art von Fiktionsbildung erfordert, übernimmt der SL als "Pseudo-Auteur" den Vorsitz über eine Art Text-/Meinungsauslegung.


Die von dir geleitetes WFRS-Runde funktioniert als Basisdemokratie, nehme ich an. Oder?